Am 28. März 2012 wird auch dieses Jahr wieder der Document Freedom Day gefeiert. Ziel ist es, auf die Wichtigkeit und die Möglichkeiten von freien Dateiformaten hinzuweisen. Aus diesem Grund möchten wir im Rahmen des Document Freedom Day Countdown diese Woche jeden Tag eine andere Applikation vorstellen, die sich besonders durch die Förderung freier Dateiformate und Operabilität hervorgetan hat. (siehe auch das Facebook-Event zu diesem Tag.)

Nr. 1: Gimp


Gimp ist ein freies Bildbearbeitungsprogramm für Windows, Linux und Mac OS X. Es unterstützt alle gebräuchlichen Bildformate wie JPEG oder PNG, sowie den Import von SVG-Vektorgrafiken und PDF-Dokumenten. Selbst .psd Dateien können (bis zu einem gewissen Komplexitätsgrad) importiert werden.
Genau wie sein unfreies Pendant Adobe Photoshop beherrscht es Ebenen, Masken, Pinsel und andere Effekte. Außerdem kann man über eine Schnittstelle eigene Skripte schreiben und damit ganze Bildserien bearbeiten. Das Einbinden von Filtern steht ebenfalls zur Verfügung.
Gimp eignet sich deshalb sowohl für professionelle Bildbearbeitung als auch zum Erstellen einfacher Grafiken und Zeichnungen.

Nr. 2: TrueCrypt


TrueCrypt ist eine quelloffene Software zum Verschlüsseln von Daten. Das für Windows, Linux und Mac OS X verfügbare Programm unterstützt mit AES, Twofish und Serpent moderne, als sehr sicher geltende Verschlüsselungsverfahren. Neben ganzen Festplatten und anderen Datenträgern wie USB-Sticks lassen sich Dateien auch verschlüsselt in sogenannten Containerdateien ablegen.
Besonders bei mobilen Geräten wie Notebooks ist es sinnvoll private Daten zu verschlüsseln, da die Geräte verloren gehen oder gestohlen werden können.

Nr. 3: Inkscape

Für die Bearbeitung und das Erstellen von Vektorgrafiken gibt es mit Inkscape eine freie Alternative zu den proprietären Lösungen wie Adobe Illustrator und CorelDRAW. Inkscape setzt vor allem auf das offene SVG-Format. Das Scalable-Vector-Graphics-Format ist ein anerkannter Standard für Vektorgrafiken und basiert auf XML. Viele Browser unterstützen das Anzeigen von SVG-Grafiken direkt.
Auch der Import und Export von PDF-Dokumenten ist in Inkscape möglich. Das Programm ist für Windows, Linux, FreeBSD und Mac OS X verfügbar.

Nr. 4: LibreOffice

Auch für typische Büroaufgaben gibt es natürlich freie Lösungen. Die Officesuite LibreOffice, bestehend aus der Textverarbeitung Writer, der Tabellenkalkulation Calc, dem Präsentationsprogramm Impress und weiteren Komponenten ist hier derzeit das Maß der Dinge. LibreOffice ist verfügbar für alle großen Betriebssysteme von Windows über Linux und Mac OS bis hin zu Solaris, FreeBSD und weiteren. Es entstand als Abspaltung des auch bekannten OpenSource Büropaketes OpenOffice.

Das Büropaket setzt dabei Konsequent auf den bei der OASIS und der ISO genormten Standard OpenDocument. Hierdurch wird die bestmögliche Interoperabilität mit anderen Anwendungen sicher gestellt. Wenn man die Software wechseln möchte, kann man seine alten Daten einfach mitnehmen und somit eine Migration deutlich kostengünstiger umsetzen. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis unterstützen die meisten Anwendungen den Standard nicht komplett, weshalb es dabei auch zu kleineren Problemen kommen kann. Die Situation bessert sich jedoch von Tag zu Tag und der Vorteil dieser freien Standards wird immer deutlicher sichtbar.

Eine Anekdote am Rande: Microsoft hat als Reaktion auf den Erfolg von OpenDocument gegen diverse Regularien der ISO einen eigenen „Standard“ durchgedrückt: Office Open XML. Dieser ist in der Praxis kaum umsetzbar, unvollständig dokumentiert und widerspricht anderen ISO-Srandards, doch nun kann die Firma mit der angeblichen Unterstützung eines „offenen“ Formates werben. „Frei“ bedeutet jedoch etwas anderes.

Nr. 5: Scribus

Oft reichen Textverarbeitungen nicht mehr aus, um kreative und gut aussehende Druckwerke zu erstellen. Sei es bei der Einladung zum runden Geburtstag, bei Werbeprospekten, Flyern, Broschüren oder Zeitschriften.

Hier müssen verschiedenste Objekte wie Bilder und Texte frei auf der Seite verteilt und millimetergenau angeordnet werden. Diese Aufgabe übernimmt Desktop Publishing (DTP) Software. Die bekannteste freie DTP-Software ist Scribus, verfügbar für Windows, Linux, Mac OS und weitere Systeme. Scribus muss sich nicht hinter der proprietären Konkurrenz verstecken und kann ebenso gute Resultate produzieren.
Scribus verwendet hierbei ein eigenes, XML-basiertes Dokumentenformat. Da es bisher kein offen standardisiertes, freies Format für DTP gibt kann man es somit als die wohl freieste verfügbare Lösung ansehen. Der Export für den Druck erfolgt über Postscript- oder PDF-Dateien.
Aus Lizenzgründen wird Scribus jedoch ohne Support für das populäre Pantone Farbsystem ausgeliefert, da Pantone Inc. dies als ihr geistiges Eigentum ansieht und nicht an freie Software lizenziert. Es gibt jedoch wie so oft Wege, dieses Manko selbst zu beheben. 😉

Nr. 6: Amarok

Amarok ist ein freier Audioplayer für Windows und Linux. Eine Version für Mac OS scheitert derzeit leider an einem Mangel an Freiwilligen, die das Programm für dieses System übersetzen.

Amarok kann jedoch nicht nur Musik abspielen. Die Stärke des Programms liegt in der direkten Integration verschiedener Internetdienste. So können beispielsweise die Archive freier Hörbücher von LibriVox.org, freier Musik von Jamendo oder den Free Music Charts aus Amarok heraus durchsucht, angehört und heruntergeladen werden. Auch liefert die Software Hintergrundinformationen zu dem gerade gespielten Stück: Wikipediaartikel, Liedtexte, Musikempfehlungen, Gitarrenakkorde und vieles mehr zeigt Amarok auf Wunsch in der Kontextansicht an.

Natürlich lassen sich auch populäre Geräte wie iPods, USB Mass Storage oder MTP-basierte MP3-Player ansprechen und mit frischer Musik bestücken.

Die Version für Windows ist erst seit kurzem verfügbar, daher freut sich das Amarok-Team sicher über euer konstruktives Feedback.

Amarok ist besonders von der Problematik unfreier Formate betroffen: Gerade im Multimediabereich sind viele Technologien durch Patente geschützt, die einer freien Verwendung der Formate im Wege stehen. Das populärste Beispiel sind hier wohl MP3-Dateien. Wie auch Amarok umgehen viele freie Mediaplayer dieses Problem, indem sie zur Wiedergabe Bibliotheken von Drittherstellern verwenden. In den populären Linuxdistribitionen fehlt diesen jedoch häufig patentierte Funktionalität, weshalb Nutzer aufwändig vollwertige Versionen installieren müssen.

Links zum Einstieg

Nr. 7: Audacity

Audacity ist ein freier Editor für Audio-Dateien. Das Programm ist auf Windows, Linux, Mac und einigen anderen Betriebssystemen verfügbar.

Neben dem Erstellen von Aufnahmen bietet Audacity zahlreiche Schnittmöglichkeiten für Audiodateien, professionelles Mischen und eine große Palette an Effekten, die sich durch Plugins erweitern lassen.

Audacity kann eine große Anzahl an Dateiformaten lesen und schreiben, darunter proprietäre Formate wie z.B. MP3, aber auch freie Formate wie z.B. OGG Vorbis oder das Verlustfreie FLAC. Der Editor verbessert damit ganz wesentlich die Verwendungsmöglichkeiten von Audiodateien, die beim Bearbeiten gleichzeitig in freie Formate konvertiert werden können.

Links zum Einstieg in Audacity: