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Karlsruhe und die Killerspiele

Ein offener Brief vom Karlsruher Teil des Landesvorstands BaWü an die BüKa und die Karlsruher Grünen

Liebe “Bürger für Karlsruhe“,

nicht schlecht. Ich meine, klar, es ist Wahlkampf, billige Polemik vereint mit sinnbefreiten Worthülsen schreit einem von so ziemlich jedem Wahlplakat entgegen, kaum jemand erwartet aktuell tatsächlich substanzielle und fundierte Äußerungen von einer Partei. Und doch habt ihr mit euren Äußerungen zur Intel Friday Night Game meine Erwartungen ziemlich weit übertroffen. Und nein, nicht im guten Sinne.

Wißt ihr, ich habe uns eigentlich für sowas wie Alliierte gehalten. Natürlich nicht soweit, daß sich unsere Ziele und Programme groß überdecken würden, denn dafür ist unser Fokus einfach zu unterschiedlich. Aber wir sind doch eigentlich auf derselben Seite. Eine kleine Partei (oder in eurem Falle Wählergemeinschaft), eher bürgerrechtlich ausgerichtet, kulturell offen, nicht verfilzt und nicht dazu getrieben, mit allen Mitteln an bestehender Macht festzuhalten. Prädestiniert dafür, sachlich und bedacht zu argumentieren. Zu denken, bevor wir reden (oder schreiben), denn Kompetenz – das ist unsere Stärke. “Unsere Fach- und Sachkompetenz steht gegen Parteipolitik und Entscheidungen von oben”, das habt ihr sogar auf eurer Website stehen.

Und dann musstet ihr euch unbedingt zur Intel Friday Night Game äußern.

Was mich an der Situation besonders schmerzt: Ich bin gerade dabei, unseren Oberbürgermeister Heinz Fenrich zu verteidigen. Einen Unionspolitiker! In einer Debatte um “Killerspiele”! Er hat es nämlich geschafft, die bei diesem Thema zahlreich ausliegenden Fettnäpfchen alle geschickt zu umschleichen, hat sich bei der Bundeszentrale für politische Bildung schlau gemacht und dann entschieden, daß das ganze vielleicht doch nicht so blutrünstig abläuft, wie es viele seiner Parteikollegen und der Axel Springer Verlag gerne immer wieder behaupten. Zusätzlich soll ja im Rahmen der Intel Friday Night Game auch wieder eine Eltern-LAN stattfinden – Eltern zocken mit ihren Kindern, sozusagen. Aufbauen von Verständnis zwischen zwei Generationen. Eine absolut klasse Aktion, meiner Meinung nach.

Eurer Meinung nach offensichtlich nicht.

Zugegebenermaßen bin ich gerade bei diesem Thema inzwischen auch schon ziemlich dünnhäutig. Die ganze Ignoranz und fachliche Inkompetenz und damit verbundene, nennen wir sie einmal vorsichtig “kreative” Berichterstattung, ist ja für sich genommen schon unerträglich. Aber eure Pressemitteilung, holla die Waldfee… Da kommt selbst die BILD-Zeitung nicht so schnell heran.

Zum einen stellt ihr eine Korrelation zwischen Amokläufen und Egoshootern her, und impliziert Kausalität. Auf der Basis, daß alle Amokläufer Brot gegessen, äh halt, sorry, Egoshooter gezockt hätten. Also, zumindest habe ich euch so verstanden. Denn ansonsten würde eure Tirade ja gar keinen Sinn haben. Und irgendwie erinnert mich diese Art der Argumentation an gottlose Rockmusik, unheimliche Rollenspiele und den Tango. Alle verantwortlich für den Niedergang der Gesellschaft. Wenn ich mich richtig erinnere, dann meinte man im Heavy Metal in den späten 70ern, frühen 80ern Aufrufe zum Mord und Selbstmord ausgemacht zu haben. Ich sag es mal so: Die Faktenlage war nicht unbedingt ungleich der zum Thema Egoshooter.

Aber der literarische Höhepunkt kommt ja erst noch. Ihr beruft euch auf “Studien aus den USA”, daß “Killerspiele” explizit entwickelt wurden, um die Hemmschwelle zum Töten zu senken – nennt aber keine Quellen. Bei so einer absurden Behauptung! Oder meint ihr gar nicht alle? Meint ihr nur manche? Meint ihr vielleicht auch gar nicht “für das militärische Training entwickelt”, sondern “vom Militär zu Trainingszwecken eingesetzt”? Erkennt ihr den Unterschied? Erkennt ihr wenigstens den Unterschied zwischen Camping und Manöver? Und, vielleicht die wichtigste Frage von allen – habt ihr denn wenigstens mal so ein “Killerspiel” tatsächlich gesehen, geschweige denn gespielt, um euch eine eigene Meinung zu bilden? Eine Eltern-LAN wie auf der Friday Night Game böte da durchaus die Möglichkeit…

Also, als Fazit: Während der Karlsruher OB erstaunlich souverän jedem Fettnäpfchen ausweicht, schaut ihr euch nach einem Trampolin um und nehmt noch einmal ordentlichen Anlauf. Das Ergebnis ist zwar auf eine gewisse Art und Weise unterhaltsam, aber mal unter uns: Kompetenz ist anders.

Und nun zu euch, Karlsruher Grüne.

Was war das denn für ein Stunt? Die “BüKa” haben das Bett gemacht, also legt ihr euch gleich mit rein? Und ihr geht sogar noch einen Schritt weiter – ihr wollt nicht nur die Veranstaltung aus der Stadt verbannen, ihr wollt denn Leuten sogar in ihren eigenen vier Wänden vorschreiben, was sie spielen dürfen und was nicht. Denn nach eurer Ansicht ist es ein Problem, wenn “Jeder […] sich diese Spiele heute zu Hause auf den Computer laden [kann], ganz ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mit bekommt”. Oder verstehe ich euch falsch? Wenn ja, was war denn tatsächlich gemeint?

Immerhin zitiert ihr keine “Studien aus den USA”, aber eure Argumente sind ebenso hohl und verquer wie die der BüKa. Wie bitte kann ein Spiel wie Counterstrike, an dem alle Mitspieler freiwillig teilnehmen, ihre Würde verletzen? Es wird niemand tatsächlich verletzt. Es gibt nicht einmal echte Rollenspielelemente! Es gibt nur zwei Teams, die virtuell gegeneinander antreten, und höchstwahrscheinlich danach bei ‘nem Bierchen das Match diskutieren werden. So kenne ich das zumindest noch – und ja, aus eigener Erfahrung.

Ah, das wäre doch mal ‘ne Idee: Beschreibt mal eure letzte LAN-Party, euer letztes CS-Match. Und macht Fotos von den unglaublich aggressiven Spielern und ständigen Schlägereien, die zwischen den moralisch abgestumpften Zockern ausbrechen. Psst, kleines Geheimnis: Die Wahrscheinlichkeit, den Yeti vor die Linse zu bekommen, ist höher.

Wißt ihr, von euch bin ich wirklich enttäuscht. Ich meine, ihr habt doch Zocker in euren eigenen Reihen! Die Fachkompetenz wäre also durchaus vorhanden! Aber anstatt mal jemanden zu fragen, der sich mit der Sache auskennt, werden die Talking Points von Wiefelspütz und Co wiedergekaut, und noch mit einer ordentlichen Portion Moralin (sauer) nachgewürzt. Das ganze wird noch eine Ecke bitterer, wenn man bedenkt, wie ihr euch in eurer Zeit der Regierungsbeteiligung auf Bundesebene verhalten habt. Mal so als Stichworte: Bundeswehr, Afghanistan. Das war ein echter Kriegseinsatz. Da wird nicht auf Pixel geschossen, sondern auf Menschen. Und da gehen die Kontrahenten am Ende des “Matches” ganz sicher nicht ein Bierchen trinken. Aber das war OK, das wurde abgenickt. Und jetzt spielt ihr, die olivgrünen, euch als moralische Instanz auf, und verdammt am Ende eures Statements auch noch jeden, der an Egoshootern verdient?

Mir fehlen die Worte, ganz ehrlich.

28 Kommentare zu “Karlsruhe und die Killerspiele

  1. Nach “Mir fehlen die Worte” sieht das (zum Glück) nicht aus. Ich wäre ja fast versucht zu sagen “endlich sagt den Pfeifen mal jemand was Sache ist” – allein, es wurde schon so oft gesagt und so viel geschrieben, ich glaube die wollen nicht lernen. Leider.

  2. Hermann

    Applaus,Applaus,Applaus !!!!!!!

  3. Pingback: andre-hoeche.de » (Deutsch) Piratenpartei: Ein offener Brief an die BüKa und die Karlsruher Grünen

  4. Sehr guter Artikel, hoffentlich lesen ihn die betroffenen Personen auch…

    *Thumbs up!*

  5. Das ist alles zwar sehr richtig, doch ich fuerchte, dass entweder das Ego oder die Lernresistenz bei den Betroffenen zu gross ist, um ihre Fehler zu erkennen, geschweige denn einzugestehen.

  6. Wirklich unglaublich was sich Politiker heute erlauben und erlauben können…

  7. Das ist die allgemeine Mobilmachung der Rentner! Die Koalitionsparteien hoffen darauf den demografisch größten Teil der Bevölkerung mit gezielt gesetzten Schlagworten – Killerspiele, Kriegsspiele, etc. – für sich zu begeistern und hofft dabai auf die mangelnde Fachkenntnis der angesprochenen Kreise.

    Wir sind doch nur die Wähler von Morgen, und die in Wirtschaft und Politik häufig anzutreffende Haltung ist doch nach wie vor: “Nach uns die Sinflut…”…

    Lesen werden es wohl einige, aber sie werden es vermutlich ignorieren… 🙁

  8. Super Text, Dennis. Du sprichst mir aus der Seele.

    So langsam wünsche ich mir Zwangsschulungen zum Thema Medienkompetenz für Politiker.

    Und auch wenn ich persönlich nichts mit der CDU anfangen kann:
    Ich ziehe meine Hut vor Herr Fenrich.
    Er hat Weitsicht bewiesen und sich nicht einfach bei den Ignoranten eingereiht.

  9. Danke. Das spricht mir aus der Seele …

  10. Sehr gut!

    Die “Killerspieler”-Diffamierung erinnert mich sehr stark an die Hetze der Politiker gegen sogenannte “Kampfhunde”. Ich hoffe dieses Mal geht es besser aus.

    Trotz jahrzehntelang wiederholter “Wider das Vergessen”-Aufrufe scheinen die Politiker wieder viel vergessen zu haben.

  11. Inhaltlich sehr schön.
    Beim Lesen hätte ich mir ein wenig seriöseren Stil gewünscht, sonst wird so ein Text möglicherweise nicht ernst genommen.

  12. Rotator

    Persönlich mag ich solche Spiele nicht, aber sowohl vom Inhalt der Schelte als auch von der Schreibe her (Eure Lordschaft wollen entschuldigen…) – Applaus!

  13. Wahre Worte.

  14. JimboJones

    Echt super geschrieben. Ganz meine Meinung. Diese ganze Debatte um “Killerspiele” bringt mich mittlerweile auch beim kleinsten bisschen auf die Palme.

  15. Pingback: BB - Boomels Blog » Twitter-Action diese Woche 2009-05-15

  16. Sabine Just-Höpfinger

    Das hat Fenrich ja super hingekriegt, jedem das sagen, was er hören will, sich hinter Sachzwängen verschanzen und dann Lob einheimsen. Na gut, da muss jeder wissen, was er davon hält. Zu den ego shootern: ich ziele auf Menschen, nicht (nur) auf Zombis, sogar Menschen die ich kenne, meine Freunde, in einer Umgebung die ich kenne. Gibt es eine bessere mentale Vorbereitung auf einen Amoklauf? Nein, man wird nicht durch ein solches Spiel zum Amokläufer. Aber wenn man es ist, ist man bestens vorbereitet, oder?

  17. @Sabine Just-Höpfinger:
    OB Fenrich hat laut den Zeitungsberichten vor der Entscheidung bei der Bundeszentrale für politische Bildung nachgefragt. Dafür (bei Fachleuten nachfragen, wenn man vom Thema selbst keine Ahnung hat) hat er definitiv ein Lob verdient. Es kommt leider viel zu selten vor. Und sich aktuell für “Killerspiele” einzusetzen, würde ich nicht als “jedem das sagen, was er hören will” bezeichnen. Er wird dafür ja von vielen kritisiert.

    In den Computerspielen zielt man nicht auf seine Freunde, sondern auf die Spielfiguren der Freunde. Ein sehr wichtiger Unterschied! Ich hab in meiner Zeit als Computerspieler versucht meine Freunde im Spiel zu schlagen, genauso wie ich bei “Risiko” versucht habe ihre Armee zu vernichten oder in Schach ihre Damen zu schlagen, Bauern zu opfern und Könige matt zu setzen. Das bezog sich aber immer auf ihre Spielfiguren und nicht auf die Spieler selbst. Es gibt keine toten Menschen, es gibt nur Spielfiguren auf einem virtuellen Spielbrett. Diesen Unterschied (er-)kennen auch unsere Jugendlichen im Alter von 16 Jahren – die Spiele sind erst ab 16 freigegeben. Wir können meine Behauptung aber gerne gemeinsam auf der iFNG nachprüfen. Vielleicht liege ich mit meiner Einschätzung ja doch falsch…

    Und was das trainieren von Amokläufen am PC angeht: Der Unterschied zwischen einer Computermaus und einer echten Waffe ist so groß, da “trainiert” man besser mit Hilfe des Kinderspiels “Räuber und Gendarm”.

  18. Ja das ist ein ganz toller offener Brief, das ist Balsam auf die geschundene Spielerseele.
    Dass euer Dennis hier genau das macht was ihn bei den Grünen so enttäuscht, nämlich verallgemeinern und schimpfen ohne genau hinzusehen- egal! Oder wieso vermischt er Bundespolitik (Afghanistan)mit Kommunalpolitik (ESL-Contest in Karlsruhe)? Und wieso widerlegt er eine nie gemachte Behauptung zur Verletzung der Würde des Mitspielers (glaubt er ernsthaft das war gemeint?? Wohl kaum)? Aber es passt grad so schön, da übergeht man doch gerne mal die Tatsache, daß die Grünen als einzige im Gemeinderat den offenen Dialog und die Auseinandersetzung mit dem Thema statt eines einfachen Verbots für umstrittene Spiele fordern. Und er sagt ja auch warum: er ist halt ein bisschen dünnhäutig geworden mit der Zeit, ah ja. Vielleicht legt er mal ähnliche
    Kriterien auch bei anderen an, die auch ständig mit irgendwelchen unbelegten Behauptungen, manipulativen Fragen und Zeitdruck konfrontiert werden. Und abschließend- keine Partei sollte auf einen derart kleinen Themenausschnitt reduziert werden, es sei denn sie hat gar keinen größeren.

  19. echnaton192

    Hallo Uta,

    Du meinst so ne tolle Partei wie Die Grünen mit ihrer breiten Themenpalette?

    Die während der Zeit die Koalition nicht in Frage gestellt haben, als die SPE im Europaprlament, unter Führung von Zypries GEGEN einen einstimmigen Bundestagsbeschluss die Vorratsdatenspeicherung voran trieb?

    Und die heute den Datenschutz im Netz heucheln, nachdem er durch das europäische Parlament ausgehebelt wurde?

    Ich kann Dir als Ex-Grüner, der genau dieserhalb zur Piratenpartei wechselte, gar nicht sagen, wie sehr ich diese Partei verachte.

    Da ist mir die Partei, die “auf einen derart kleinen Themenausschnitt reduziert” ist:

    # Freiheit
    # Bürgerrechte
    # Datenschutz
    # Freien Zugang zu Bildung
    und Kultur für alle
    # gegen Zensur
    # und elektronischen Polizeistaat
    http://www.golem.de/0905/67055-2.html

    schon irgendwie lieber als Die Grünen…

    Aber das bin nur ich. Andere Piraten haben sicher keinen so großen Hass gegen Die Grünen wie ich, aber als Exgrüner, der eintrat um Kanther zu verhindern, gönn ich mir das.

    H.K.

  20. @Thomas
    der Unterschied zwischen Spielfigur und Mensch ist mir schon klar, ich spiele ja auch (Computerspiele allerdings eher nicht, schon garnicht nächtelang, was auch eine andere Qualitiät darstellen könnte), und wenn nicht 99,99% der Spieler es so sähen und immer schon gesehen haben, wäre schon viel mehr passiert.
    Ich habe übrigens nicht behauptet, mit einer Maus meine motorischen Fähigkeiten schulen zu können, sondern meine mentalen, die motorischen werden ja offensichtlich eher in Schützenvereinen geschult…

  21. Pingback: Offener Brief an die BüKa und die Karlsruher Grünen « Kommt ein Gudchen geflogen..

  22. Hi,
    erstmal ein Lob für den schönen Artikel, ist echt Balsam für die Zockerseele 😉

    Ich finds immer erstaunlich wie man immer schnell auf relativ kleine Gruppen ein”drischt” und das, in der größten Breite, doch unwissende Volk durch “Experten”meinungen manipuliert wird. Von “Experten” welche sich mit den meisten Spielen noch gar nicht wirklich auseinandergesetzt haben!

    Ist doch immer schön leicht andere dafür gerade stehen zu lassen, für dass was man selbst verbockt hat: eventuell sollten sich die großen Parteien mal zusammenhocken und darüber beraten dass man mehr für die Jugend tun sollte/ die Jugend fördern und fordern sollte, damit sie eben nicht gelangweilt vor dem PC sitzen muss und für die nächste Bluttat trainieren muss!!
    Zumindest bei mir ist es so, dass ich gerne mal “schlachte und morde”, dies aber nie über Freunde, Sport oder sonstige Aktivitäten stellen würde – und ich bin mir sicher dass ich da nicht allein bin!

    In diesem Sinne: schießt alle CS-Spieler ab, denn sie sind potentielle Massenmörder!!

  23. Danke, danke, danke!

    Ein neu gewonnener Piratenfan aus dem Lkr. Karlsruhe

  24. müsste es nicht “unbedingt” heißen?
    umbedingt kenne ich nicht.

  25. Kausal?

    Prämisse: Ego Shooter (Kampfsimulator) verringert Hemmschwelle zum Töten.

    Annahme: Ego Shooter –> Schüler –> Mehr Amokläufe

    Kampfsimulatoren –> Soldaten –> ?

    Ist schon mehr von Amokläufen durch Soldaten bekannt geworden? Oder wird uns da wieder etwas vorenthalten? Wie kommt es, dass es bei jemanden (Soldat) der ja scheinbar den ganzen Tag nichts anderes macht als seine Hemmschwelle zu veringern und zu trainieren effektiver zu töten es nicht zu Amokläufen kommt. Und wenn warum gibt es seit der Nutzung virtueller Kampfsimulatoren keinen Anstieg der Aggressivität zu verzeichen?

    Andere Idee:

    Schüler –> Soziales Umfeld ist Menschenverachtend (Mobbing, Psycho Terror) –> Amoklauf.

    Soldat –> Soziales Umfeld ist Menschenverachtend (Mobbing, Psycho Terror) –> Scheinbar kein Amoklauf.

    Arbeitender 40 Jähriger –> Soziales Umfeld ist Menschenverachtend (Mobbing, Psycho Terror)–> Keine Anhäufung von Amokläufen bekannt. Diese bringen eben einfach die Familie um oder gehen Kinder vergewaltigen.

    Ich denke es liegt viel an der Gesellschaft und er Gesellschaftsform.

    Ich selbst spiele auch Killerspiele und ich bin 30! Ich mache das schon seit es DOOM gibt. Ich Spiele auch andere Killerspiele wie Softair und Paintball. Ich war auch beim Bund… Was ich aber aus all diesen aktivitäten gelernt habe ist, dass ich dass niemals in echt erleben möchte! Durch die ganzen erfahreungen weiss doch jeder, dass selbst wenn man der Oberchecker in einem Spiel ist man spätestens nach Minuten draufgeht.

    Ich lehne physische Gewalt ab!

  26. Guten Morgen,

    das Problem ist nicht, dass es Killerspiele gibt, sondern das Alter, in dem die Kinder “Erstkontakt” mit diesen Spielen hat. Und zwar nicht nur durch Selbstanschaffung, sondern durch Geschwister, Freunde, … . Und durch die Blindheit der Eltern gegenüber den Vorgängen im Kinderzimmer. In der Klasse meiner Patentochter (13 Jahre alt) spielen ALLE, jawohl, ALLE Jungen Egoshooter, die auf dem Index stehen.

    Das zweite Problem ist die Realitätsnähe, die die Spiele inzwischen erlangt haben. Wenn man heutige Killerspiele mit den ersten dieser Art (“Doom” und so weiter) vergleicht, merkt man sehr deutliche Unterschiede – sowohl in der grafischen Qualität als auch in der Realität der Soundeffekte.

    Ich mache es mir gewiss nicht leicht damit, dass ich für ein Verbot der Herstellung und des Vertriebs von Egoshootern bin. Hiermit würden vielen Menschen, die das Alter und die geistige Eignung für die Spiele hätten, die Möglichkeiten des Zeitvertreibs eingeschränkt werden. Ich sehe durch die derzeit noch extrem laxe Umgangsform mit den Medien und der Medienerziehung, die vor allem zu Hause und in den Schulen nicht stattfindet, keine andere Möglichkeit.

    Medienerziehung gehört primär ins Elternhaus und sekundär in die Schule. Wenn jedoch die überwältigende Mehrheit der Eltern nicht mal weiß, was ihre Kinder im Kinderzimmer mit dem PC machen (geschweige denn, wie man denn so einen PC installiert oder in den Nutzungsrechten einschränkt) und Gymnasiallehrer nicht wissen, was SchülerVZ und Co. sind (ernsthaft!), ist die Medienerziehung von vornherein zum Scheitern verurteilt. “Mein Sohn kennt sich da besser aus als ich, ich weiß gar nicht was der da macht” ist ein oft gehörter Standardsatz. Und dann machen es sich die Eltern wie so oft bequem und vertreten die Meinung, dass doch die Schule… ach, lassen wir das, sonst wirds lächerlich.

    Ich denke, dass die Piratenpartei mit mir in der Einschätzung einig ist, dass die Egoshooter nicht umsonst auf dem Index stehen. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter und würde diese verbieten. Nicht weil ich sie generell verteufeln möchte, sondern weil ich glaube, dass die heutige Elterngeneration mit dem Thema heillos überfordert ist.

    Schade, die indifferenzierte Einstellung der Partei gegenüber Egoshootern verhindert meinen Parteieintritt. Genauso polemisch und populistisch, wie durch die Gegner von Egoshootern argumentiert wird, geht auch die Piratenpartei zur Sache. Egoshooter senken die Hemmschwelle, Egoshooter in zu jungen Jahren sind der geistigen Entwicklung nicht wirklich förderlich. Das sind Tatsachen, denen sich eine Partei nicht verschließen darf, wenn sie ernst genommen werden möchte.

  27. @WillF: Ich glaube eine “indifferenzierte Einstellung der Partei” würde sich unterstellen lassen, wenn wir brüllen würden, dass niemand die Killerspiele anfassen soll.

    Wir haben in Deutschland einen gut funktionierenden Jugendschutz, die Spiele zu verbieten wäre Zensur. Spiele die noch weiter gehen, menschenverachtende Titel stehen zu Recht auf dem Index, aber jegliche Spiele aus dem Genre zu verbieten hat einfach nichts mehr mit Demokratie zu tun.

    Aggressive und gewalttätige Filme gibt es auch schon seit Dekaden und auch die wurden nicht vollständig verboten, nur weil es Filme gibt, die über ihr Maß hinaus schossen und auch indiziert wurden.

    Es gibt einfach kein Recht, dass es legitimieren würde, diese Spiele und deren Herstellung von vornherein zu verbieten.

    Du sagst selber schon, dass die Medienerziehung ins Elternhaus gehört und du sagst auch, dass die Eltern damit überfordert sind. Das mag sein. Aber um zu erkennen, dass mein 13 jähriger Sohn auf dem Bildschirm Egoshooter spielt und auf der Verpackung des Spiels steht “Ab 16/18 Jahren freigegeben” braucht es nun wirklich keine “Medienkompetenz” oder technischen Sachverstand..

    Ich denke das Vorurteil einer indifferenten Betrachtung kann man einfach nicht gelten lassen und in einer Demokratie kann und darf es einfach nicht sein, dass man sich zu Gunsten der Einfachheit für einen Weg entscheidet, der massiv einem demokratischem Grundverständnis widerspricht, statt ein Problem bei der Wurzel zu packen.

  28. Richtig, das Problem bei der Wurzel packen wäre besser als ein Verbot, da bin ich bei Euch. Nur wo ist die Wurzel zu finden?

    * Liegt es daran, dass es Eltern immer wichtiger ist, sich um sich selbst, ihre Karriere usw. zu kümmern, anstelle Zeit mit ihrem Nachwuchs zu verbringen?
    * Liegt es daran, dass es immer mehr sogenannte “Manager” gibt, ohne die die Betriebe besser laufen würden und mit denen die Betriebe an persönlicher Bereicherung ihrer Führungskräfte zugrundegehen?
    * Liegt es daran, dass der gesellschaftliche Konsens darauf beruht, dass man in einer Demokratie alles machen darf was man möchte, hauptsache man wird dabei nicht erwischt?
    * Liegt es daran, dass aufgrund der Oberflächlichkeit der Gesellschaft inzwischen lautes Geschrei und markige Worte ausreichen, um Einfluss zu nehmen?
    * Liegt es daran, dass in der Zwischenzeit “Der Alte”, früher um 20.15 Uhr im ZDF, heute im Vorabendprogramm läuft? Und dass wir um 14 Uhr mit jugendgefährdenden Trailern in den Fernsehsendern beschäftigt werden?
    * Liegt es daran, dass der Mensch offensichtlich nur begrenzt aus seinen Fehlern lernt und immer wieder in derselben Kurve kotzt?
    * Liegt es daran, dass das Freizeitverhalten sich generell heftig verändert hat und wir nicht mehr in den Kneipen sitzen und uns unterhalten, sondern lieber zu Hause alleine vor dem Egoshooter hocken und uns über Headsets kurze Befehle zurufen?

    Die Wurzel ist aus meiner Sicht ein Werteproblem mit falsch gesetzten Prioritäten. Ist die Piratenpartei zu jung für eine solche Diskussion? Sorry, meine Meinung ist, dass Ihr genauso einseitig diskutiert wie die Gegenseite. Weil auch Ihr spürt, dass das Problem ein viel größeres und komplexeres ist als nur die (auch aus meiner Sicht) lächerlich einseitige Diskussion um Egoshooter. Ihr schreit nur Pro-Egoshooter, die andere Seite schreit Contra-Egoshooter, aber konstruktiv ist das alles nicht. Tretet eine Wertediskussion los! Kotzt Euch nicht die voranschreitende Vereinsamung an, die unter anderem dadurch ausgelöst wird, dass die Leute zu Hause allein vor dem PC über Instant Messaging, netzwerkfähige Spiele oder Communities so tun als ob sie nicht alleine wären? Geht Euch nicht auf die Nerven, dass die Menschen sich auf Kosten der Gesellschaft immer mehr individualisieren? Findet Ihr es klasse, dass in der Zwischenzeit für das Ehrenamt massiv geworben werden muss?

    Aus meiner Sicht ist das was hier von allen Seiten geboten wird reiner Kinderfasching. Die eine Seite schreit, “Ihr mit Euren Egoshootern seid schuld!”, die andere Seite ruft zurück: “Nee wir sinds nicht!”. Und wie wird dieses Dilemma gelöst?

    Nochmal zu der von Euch kritisierten versuchten Erklärung einer Kausalität zwischen Egoshootern und Amokläufen: Die Spiele entspringen aus der menschlichen Fantasie. Genauso wie Filme, Bücher, Geschäftsideen, … . Es geht um persönliche Grenzen: Will ich mir von der Idee her perverse Filme wie Saw reinziehen? Übersteigt es meine moralischen Grenzen, Egoshooter zu spielen und damit meine Fantasie zu beeinflussen? Wie unser Bundespräsident sagte: Es zeugt von Selbstbewusstsein, sich selbst Grenzen zu setzen und sich selbst Dinge zu verbieten, von denen man sich nicht beeinflussen lassen möchte, egal wie groß die Neugier oder der Druck der Peergroup ist.
    Es gibt aus meiner Sicht keine direkte Kausalität zwischen Egoshootern und Amokläufen. Dass Egoshooter in der militärischen Ausbildung zur Absenkung der Hemmschwelle der Soldaten eingesetzt werden ist bekannt. Es gibt also einen kausalen Zusammenhang zwischen Egoshootern und der Hemmschwelle. Aus dieser Sichtweise bin ich für eine detaillierte Definition von Grenzen, was in Spielen, Filmen usw. dargestellt werden darf und was nicht mehr in Ordnung ist. Ich würde übrigens die teilweise schauderhaft blutigen Darstellungen von Jesus am Kreuz in vielen Kirchen von dieser Diskussion nicht ausnehmen. Ist für mich eine kirchliche Doppelzüngigkeit, einerseits von der Verrohung der Gesellschaft zu reden und andererseits Figuren im Kirchenraum stehen zu haben, die dazu geeignet wären, einen Horrorfilm auf den Index zu bringen…

    “Jegliche Spiele aus dem Genre zu verbieten hat einfach nichts mehr mit Demokratie zu tun” – 100%ig d’accord. Vielleicht sind wir gar nicht so weit auseinander? Ich würde die Herstellung und den Vertrieb von indexgeeigneten Spielen, Filmen etc. unter persönliche und empfindliche Strafen stellen.

    So jetzt hab ich genug gelabert, das ist ja schon fast der Umfang des Laberflashs eines Politikers… 😉

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