Allgemein KV Stuttgart

Ein "Schwein" wird berühmt

Alles fing ganz harmlos an. Die Mitglieder der „Baumpoeten“, einer Bezugsgruppe der Parkschützer, haben am vergangenen Freitagabend nach einem kreativen Motiv für ihr Banner gesucht. Es sollte thematisch sowohl für die Großkundgebung gegen Stuttgart 21, als auch für die Bildungsstreik-Demo geeignet sein. Lustigerweise sollte es die Polizei sein, die ihrem so getauften „FMERKEL“, einer Karikatur der Bundeskanzlerin, zu einiger Berühmtheit im Internet – und darüber hinaus –  verhelfen sollte. Wie ein Lauffeuer hat sich das Bild verbreitet, sodass die Seite der Baumpoeten kurzzeitig sogar unter den meist-gelesenen Blogs im Land war.

F(M)ERKEL - Transparent der Baumpoeten

Das besagte Transparent zeigt ein Ferkel, dessen Frisur und Gesichtszüge offenkundig der Bundeskanzlerin nachempfunden sind. Es verspeist ein Buch mit der Aufschrift „BILDUNG“, während es einen Haufen mit der Aufschrift „S21“ ausscheidet. Neben dem fidelen Tierchen ist in großen Lettern zu lesen: „FMERKEL GESTALTET ZUKUNFT“. Zweifelsohne keine sehr höfliche Karikatur, mit der die Gruppe da ihre Meinung kund tut. Ob es aber eine Anzeige wegen „Beleidigung“ rechtfertigt? Schließlich erscheinen tagtäglich in Tageszeitungen und Magazinen vergleichbare Verballhornungen unserer Politiker.

Doch dieser Paarhufer ist anders als die anderen. Das Banner ist nämlich den wachsamen Augen unserer Staatsgewalt nicht entgangen. Die Schweinebanner-tragenden Baumpoeten waren eigentlich nach der Bildungsdemo, so berichten sie, schon auf dem Weg nach Hause. Erst in der Bahnstation wurden sie von der  Polizei mit dem Vorwurf einer Straftat konfrontiert. Extra habe man sie bis dorthin verfolgt. Welche Straftat das denn sein solle, war den Deliquenten Beschuldigten zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Sie wurden durch eine Person in Zivil identifiziert und daraufhin mit dem Vorwurf der „Beleidigung“ konfrontiert. Einige Mitglieder der Gruppe wurden sogar noch in Gewahrsam genommen, so erzählen sie.

Man muss sich doch fragen, ob es gerechtfertigt ist, eine Gruppe junger Menschen wegen eines, deutlich als politische Karikatur erkennbaren, Banners derart zu behandeln.

Zusätzlich ist zu erwähnen, dass während der Abschlusskundgebung der Bildungsdemo einige Vermummte in ein Handgemenge mit der Polizei verwickelt waren, bei dem es auch zum Einsatz von Pfefferspray durch die Angreifer gekommen sein soll. Laut Pressemitteilung der Polizei dauern die Ermittlungen hierzu noch an. Ob es gelungen wäre, alle Angreifer direkt aufzuspüren und in Gewahrsam zu nehmen, wenn die Polizei nicht mit der Beschlagnahme einer Ferkel-Karikatur beschäftigt gewesen wäre, darüber kann man wohl nur spekulieren.

Das beschlagnahmte „FMERKEL“ der Baumpoeten aber, das wurde dank der Polizei berühmt. Darum macht es, wie alle Prominenten, jetzt erstmal eine Weltreise – durch das Internet. Ob sich die Behörden das bei ihrer Amtshandlung so vorgestellt haben, kann bezweifelt werden.

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